Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Liebe Pilzinteressierte,

in einigen früher als Waldweide genutzten relativ naturnahen Bauernwäldern im NÖ Wechselgebiet in 800-1000m Seehöhe gibt es heuer ein regelrechtes Massenvorkommen an Korkstachelingen. Ich beobachte die Vorkommen schon viele Jahre und habe lange herumgerätselt um welche Arten es sich dabei handeln könnte. Nach meinen Bestimmungsversuchen dürfte die weitaus häufigste Art Hydnellum scrobiculatum sein, zumindest der Sporenform nach zu schließen, welche nach den Schlüsseln von Geesteranus und Hrouda das wichtigste Zuordnungsmerkmal darstellt. Das Aussehen von H. scrobiculatum selbst kann je nach Alter und Untergrund (Nadelstreu, Moos oder Heidelbeerstauden - Durchwachsung der Pflanzenteile) doch relativ stark varieren. Daneben gab es noch die relativ einfach bestimmbaren Hydnellum peckii und Bankera violascens zu finden.


Hydnellum scrobiculatum
jung bis alt nebeneinandergelegt
Bankera violascens


Danke an Irmgard für die Fachliteraturtipps und bitte um feedback, falls eure Erfahrungen andere Schlüsse zulassen.

Schöne Grüße!

Christian
Zuletzt geändert von christian-ap am 06.08.2020, 16:50, insgesamt 1-mal geändert.

Re: Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Hallo,

es gibt noch eine kleine Fortsetzung. Heute ebenfalls entdeckt und zweifelsfrei bestimmbar:

Phellodon tomentosus

Ziemlich rätselhaft sind mir weiterhin diese dickfleischigen Korkstachlinge. Nach der Sporenform und dem standortidenten Vorkommen würde ich ebenfalls sagen, es ist Hydnellum scrobiculatum, allerdings fehlen die radialen Strukturen, dafür gibt es viele Buckel. Die Fleischdicke beträgt ca. 15 mm. Nach Geesteranus wäre nur H. ferrugineum so dick, an den Pilzen waren aber in allen Altersstadien niemals Bluttropfen zu sehen. Ich denke da käme man nur mehr mit DNA-Sequenzierungen weiter.

Hydnellum spec.

Sporenfortsätze höckrig oder abgerundet?
und exakt genau an der selben Stelle im Vorjahr (eher dünnfleischige Stachelinge mit Zonierung)
2019
selbe Stelle 2020 dazu passend gerade eine Arbeit aus dem Jahr 1961 gefunden: Auf page 14 beschreibt der Autor, dass die Witterung einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung der Ausformung der Fruchtkörper hat. Vom Jahr zu Jahr können die Pilze ganz unterschiedlich aussehen....
https://www.biodiversitylibrary.org/pag ... 4/mode/1up



Schöne Grüße! Christian

Re: Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Liebe Korkstachelings-Interessierte,

einen dritten und letzten Teil meiner Korkstachelings-Bestimmungsversuche gibt es noch.

In der Früh, wenn es noch feucht ist, zeigt Hydnellum ferrugineum noch die typischen Blutstropfen. Diese verschwinden aber tagsüber, wenn es abtrocknet.
An einer Stelle habe ich heute drei Arten gesehen, die durcheinandergewachsen sind. Es lässt sich dann kaum mehr sagen, welchen Kollektionen die einzelnen Pilze zuzuordnen sind, vor allem wenn sie unterschiedlich alt sind. Dies betrifft vor allem die Abgrenzung der verschiedenen Hydnellum-Arten. Wer weiß was sich da bzgl. der Artabgrenzung in Zukunft noch alles tun wird.......

Phellodon niger

Hydnellum ferrugineum


Schöne Grüße!

Christian

Re: Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Lieber Christian,

ich kann deine Probleme mit der Unterscheidung dieser Arten gut nachvollziehen. Ich persönlich hätte die Kollektion aus dem ersten Beitrag wohl auch eher als H. scrobiculatum angesprochen und den Pilz aus dem zweiten Beitrag als H. ferrugineum. Natürlich kann es immer sein, dass mehrere Arten am selben Standort vorkommen...
Heuer haben wir diese beiden Arten auch schon bestimmt, und ich finde, dass die Form der Sporenauswüchse durchaus ein hilfreiches Trennungsmerkmal ist. Bei H. scrobiculatum sind die Höcker abgerundet, H. ferrugineum hat hingegen öfter mal abgeflachte und relativ grobe Auswüchse. Möglicherweise kann man das sogar auf deinen Mikrofotos erkennen, allerdings muss man da oft einige Sporen anschauen, um einen guten Eindruck von ihrer typischen Form zu bekommen – individuelle Sporen können bei beiden Arten ± identisch aussehen.

Hydnellum ferrugineum .
Hydnellum scrobiculatum .
Schöne Grüße
Gernot

Re: Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Servas Christian,

die roten Gutationstropfen scheinen eher selten aufzutreten, bisher habe ich die nur einmal beobachten können, an Hydnellum peckii,


Auch in Kärnten zeigen sich bereits die ersten terrestrischen Stachelpilze,

Phellodon tomentotus,

Hydnellum scrobiculatus,

Hydnellum ferrugineum,

Phellodon niger,

P. niger kenne ich allerdings viel voluminöser, am gleichen Standort habe ich bereits 2018 einen solchen flunderartigen FK gefunden. Damals habe ich den Fund zu früh entnommen, diesmal darf er reifen.

LG
Peter

Re: Korkstachelinge/Wechselgebiet

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Hallo Gernot und Peter,

danke für eure Ergänzungen und Bilder.

Faszinierend für Hydnellum und Phellodon ist für mich auch die Eigenschaft umgebende Pflanzenteile zu umwachsen und in die Pilzstruktur einzubauen, ohne den Grashalm o.a. wegzudrücken. Anscheinend scheinen sich die Zellen (Hyphen) längenmäßig nicht zu strecken sondern anzubauen. Bei den Porlingen scheint man sich diese Eigenschaft ja auch biotechnologische nutzbar zu machen.

Liebe Grüße!

Christian