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Pilzfotos Juni - Mitte August

Verfasst: 10.08.2024, 19:24
von christian-ap
Liebe Pilzgemeinde,

nachdem die Pilzsaison im Osten im Juni großartig begonnen hat, ist im Juli wieder die fast schon gewohnte sommerliche Trockenperiode eingetreten. Da hilft nur eins: Immer weiter rauf ins Gebirge, wo es doch noch feucht genug. Gerne möchte ich mit euch meine Begeisterung für Pilze teilen.
Bitte wiederum um Anmerkungen falls etwas unplausibel erscheint.

Es beginnt im Wienerwald:


Lactarius romagnesii


Albatrellus pes-caprae

Cortinarius biformis

Russula subterfurcata
Die Huthaut dieses bei Eiche wachsenden Täublings verfärbt sich von weiß (jung) nach braungrün (alt und trocken)


Es ist Mitte Juli. Meine Erkundungen führen mich schon etwas höher hinauf auf 1300m in den montanen Fichtenwald im Schneeberggebiet


Cortinarius vespertinus

Clitocella popinalis
verfärbt sich mit der Zeit schwärzlich, Geruch mehlig und bitterer Geschmack


Weiter nach Kärnten auf eine Seehöhe um 1500m in der Gegend um Reichenfels am Zirbitzkogel


Cortinarius multiformis agg.
im Gebirgs-Fichtenwald generell recht häufig anzutreffen

Asterophora lycoperdoides
Ein Massenvorkommen auf alten Exemplaren von Russula adusta

Phaeocollybia jennyae
Ebenfalls im selben Wald anzutreffen waren Phaeocollybia lugubris und P. festiva

Chrysomyxa rhododendri
Ein ganzes Waldstück mit Almrauschbeständen ist von diesem Rostpilz befallen. Scheint im Alpenraum nicht ungewöhnlich zu sein und sollte die Fichtenbestände nicht nachhaltig schädigen. Auswirkungen der Klimaerwärmung fraglich.

Pilzfotos Juni - Mitte August Teil 2

Verfasst: 10.08.2024, 20:13
von christian-ap
Ein kurzer Abstecher ins Wechselgebiet:


Antrodiella serpula auf Fagus

Rhodonia placenta

Russula firmula
Hier recht intensiv gefärbte Exemplare, sodass beim schnellen Hinsehen leicht eine Verwechslung mit den hier ebenso häufig anzutreffenden Russula integra möglich wäre.

Ramaria suecica
Diese Koralle gehört noch zu den Funden im Schneeberggebiet. Nach der neuen italienischen Monographie von Franchi und Marchetti passt mit den leicht rosa Farbtönen R. suecica am besten

Nun gehts ganz rauf auf die Hochflächen der Raxalpe in eine Seehöhe um 1900m mit Almen, Zwergstrauchheiden und Latschenflächen. Das Studium des Buches von Jamoni und der Pilzdatenbank (unzählige von ÖMG Ehrenpräsident Hausknecht dokumentierte Funde) gibt einen ersten Einblick, welche Pilze eventuell angetroffen werden könnten.
Eine erste gemeinsame Exkursion mit Romana Brandstätter mit Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Preiner Gscheid aus gibt nur wenig Zeit zur Nachsuche, da der An- und Abstieg im gebirgigen Gelände zu viele Stunden in Anspruch nimmt. Erste alpine Pilze können angetroffen werden:


Amanita nivalis

Lycoperdon frigidum
Ein Stäubling der alpinen Zwergstrauchweiden


Schnell fällt die Entscheidung nochmal die Raxalpe zu besteigen. Leider kann Romana diesmal nicht mitkommen. An- und Abreise diesmal wiederum ganz konsquent mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber mit voll bepacktem Rucksack und Übernachtung im Schlaflager einer Alpenvereinshütte. So bleibt genug Zeit zur Nachsuche.

Hochflächen der Raxalpe
Verebnungen mit relativ sauren Rotlehmböden, Bergflanken mit schwarzen Kalkrendzinen

Russula nana

Interessant ist, dass die ganze Palette an typischen Pinus-Mykorrhizapilzen in großen Kollektionen auch bei Pinus mugo im Gebirge zu finden ist wie Russula sanguinea und einige Schmierröhrlinge (Suilllus granulatus, S. variegatus, S. luteus) aber auch zahlreiche Milchlinge und Chroogomphus-Arten wie C. rutilus oder C. fulmineus.

Russula sanguinea
Die Pilze verlieren generell aufgrund der starken UV-Strahlung sehr schnell ihre Farbe

Suillus variegatus

Pilzfotos Juni - Mitte August Teil 3

Verfasst: 10.08.2024, 20:47
von christian-ap
Wirft man einen Blick in den dichten Latschenbewuchs so fällt auf, das viele abgestorbene Ästchen mit gelben Lachnellua Becherchen bestetzt sind. EIne Kollektion habe ich mitgenommen und mikroskopiert:

Lachnellula fuckelii
Clitocyben sind im alpinen Raum zahlreich vertreten. Auf der Rax am häufigsten anzutreffen die ganz triviale Infundibulicybe gibba doch auch klassische alpine Arten wie Clitocybe bresadolana und C. concava sind ab und zu anzutreffen

Clitocybe concava
Clitocella mundula
Auf der Suche nach Gymnopus loiseleurietorum bin ich leider nicht erfolgreich. Gymnopus dryophilus hingegen ist ein Massenpilz.
Um so freudvoller folgender Fund:


Rugosomyces fallax
Ein Beispiel für die zahlreichen Milchlinge bei Pinus mugo:

Lactarius badiosanguineus
Schon viel seltener und an Zwergweiden gebunden.

Lactarius salicis.reticulatae
Makroskopisch recht ähnlich wie Lactarius aspideus, den ich am Wechsel immer wieder bei Salweide finde. Wäre spannend zu wissen inwieweit sich beide Arten auch genetisch unterscheiden,


Lactarius alpinus im Grünerlengebüsch

Langsam gehts über steinige Wege 1400 Höhenmeter abwärts ins Höllental zur Busstation.


Hygrophorus erubescens

Xeromphalina campanella in besonders schöner Farbenpracht


An Hygrocyben war übrigens außer H. conica, vereinzelten H. insipida und Neohygrocybe nitrata kaum etwas zu finden. Die dürften erst später kommen.'
Vereinzelte Inocyben habe ich bewusst beiseite gelassen. Entolomen gabs natürlich auch wie Entoloma incanum agg. die Romana fand. Eine weitere Art könnte Entoloma querquedula sein. Das versuche ich gerade mit der Entoloma facebook Gruppe herauszufinden. Knapp 70 bestimmbare Arten sind in Summe auf der Rax dann doch zusammengekommen.

Zum Abschluss sollte mir noch ein kleiner Engelspilz begegnen.



Schöne Grüße
Christian

Re: Pilzfotos Juni - Mitte August

Verfasst: 13.08.2024, 09:33
von Gernot
Lieber Christian,

ein wirklich schöner Rückblick mit Pilzen aus unterschiedlichsten Lebensräumen. Die alpinen Arten interessieren mich ja besonders, und du zeigst hier doch einige seltenere Vertreter. Rugosomyces fallax ist mir da oben z. B. noch nie begegnet, und auch Lactarius salicis-reticulatae konnte ich trotz zahlreicher Exkursionen in diese Höhen, vor allem in Vorarlberg, noch nie finden. Falls es dich interessiert, verlinke ich hier einen erst kürzlich erschienen Artikel zu den alpinen Pilzen in Vorarlberg: https://www.inatura.at/forschung-online ... 1-0026.pdf. Vielleicht ist dieser für dich nützlich, falls du wieder einmal in diesem Lebensraum unterwegs bist. Deine Beobachtung bezüglich Gymnopus dryophilus kann ich übrigens teilen – so üppige Vorkommen wie da oben habe ich in Wäldern selten gesehen.

Schöne Grüße
Gernot

Re: Pilzfotos Juni - Mitte August

Verfasst: 15.08.2024, 08:19
von christian-ap
Lieber Gernot,

danke für den link zu deiner Erhebung in Vorarlberg. Eine sehr umfassende Arbeit - da finden sich viele wertvolle Informationen für mich.
Rugosomyces fallax konnte ich zuerst nicht zuordnen. Mit dem dunkelbraun verfärbenden Fleisch und der Mikroskopie war es dann relativ schnell klar. Funga Nordica beschreibt Dryas-Heiden auch als Lebensräume und in Tirol sind einige alpine Funde in der Datenbank eingetragen.
Die wenigen Fundmeldungen von Lactarius salicis-reticulatae beziehen sich fast alle auf die steirisch-niederösterreichen Kalkalpen. Vielleicht spielen da auch die klimatischen Unterschiede eine Rolle.
War sicher nicht mein letzter Rax-Besuch und ich bin gespannt was mich nächstes mal erwartet.

Schöne Grüße

Christian