Monomethylhydrazin in „Falschen Morcheln“ sprich Lorcheln, Toxingehalt und Kochverhalten
Verfasst: 06.05.2026, 12:06
Kurzfassung einer kürzlich in der Mycologia erschienenen Arbeit zu den Frührjahrslorcheln, nämlich zu Gyromitra antarctica aus Patagonien. Das ist zwar weit weg, aber die Ergebnisse sind durchaus interessant. Wer es im Original lesen möchte:
Parada, R. B., Garibay Orijel, R., de Errasti, A., Pildain, M. B., & Barroetaveña, C. (2026). Monomethylhydrazine content is determined by altitude in Gyromitra antarctica: Implications for safe consumption. Mycologia, 1–13. https://www.tandfonline.com/doi/full/10 ... 26.2641837
Die Studie identifizierte alle untersuchten Lorcheln aus Patagonien molekular eindeutig als Gyromitra antarctica und bestätigte ihre Verbreitung von Río Negro bis Tierra del Fuego. Entlang eines Höhenverlaufs (300–800 m ü. NN) zeigte sich: Exemplare aus 300–400 m enthalten etwa dreimal so viel Monomethylhydrazin (MMH) wie solche aus 700–800 m; insgesamt besteht eine starke negative Korrelation zwischen Höhe und Toxingehalt (ρ = −0.79, P < 0.001). In zwei Begehungen war die Abnahme der MMH-Konzentration mit der Höhe konsistent; der größte Anteil der Funde lag zwischen 600–700 m.
Kochtests: 10 Minuten Kochen ohne Wasserwechsel senkten den Hydrazinäquivalent-Gehalt um ca. 97% (Rest 1,3–3,5 mg HE/kg), während 2 × 5 Minuten mit Wasserwechsel etwa 94% reduzierten, aber mehr Resttoxin im Gewebe ließen. In beiden Verfahren wurden relevante Restmengen im Kochwasser gemessen (etwa 3,5–7,7 ppm); daher muss das Kochwasser vollständig entsorgt werden.
Beim Erhitzen können zudem flüchtige, toxische Hydrazine in die Dämpfe übergehen; Kochen sollte deshalb nur in sehr gut belüfteten Räumen erfolgen, eine vollständige Entgiftung ist nicht garantiert. Insgesamt erhöht tiefe Lage das Risiko durch höhere MMH-Gehalte; 10-minütiges Kochen reduziert die Toxizität zwar deutlich, erfordert aber strenge Küchenhygiene und Entsorgung des Kochwassers.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit informierter Zubereitung, besonders bei Funden aus tieferen Lagen bzw. ist auch diese Lorchel ein giftiger Pilz.
LG
Irmgard
Parada, R. B., Garibay Orijel, R., de Errasti, A., Pildain, M. B., & Barroetaveña, C. (2026). Monomethylhydrazine content is determined by altitude in Gyromitra antarctica: Implications for safe consumption. Mycologia, 1–13. https://www.tandfonline.com/doi/full/10 ... 26.2641837
Die Studie identifizierte alle untersuchten Lorcheln aus Patagonien molekular eindeutig als Gyromitra antarctica und bestätigte ihre Verbreitung von Río Negro bis Tierra del Fuego. Entlang eines Höhenverlaufs (300–800 m ü. NN) zeigte sich: Exemplare aus 300–400 m enthalten etwa dreimal so viel Monomethylhydrazin (MMH) wie solche aus 700–800 m; insgesamt besteht eine starke negative Korrelation zwischen Höhe und Toxingehalt (ρ = −0.79, P < 0.001). In zwei Begehungen war die Abnahme der MMH-Konzentration mit der Höhe konsistent; der größte Anteil der Funde lag zwischen 600–700 m.
Kochtests: 10 Minuten Kochen ohne Wasserwechsel senkten den Hydrazinäquivalent-Gehalt um ca. 97% (Rest 1,3–3,5 mg HE/kg), während 2 × 5 Minuten mit Wasserwechsel etwa 94% reduzierten, aber mehr Resttoxin im Gewebe ließen. In beiden Verfahren wurden relevante Restmengen im Kochwasser gemessen (etwa 3,5–7,7 ppm); daher muss das Kochwasser vollständig entsorgt werden.
Beim Erhitzen können zudem flüchtige, toxische Hydrazine in die Dämpfe übergehen; Kochen sollte deshalb nur in sehr gut belüfteten Räumen erfolgen, eine vollständige Entgiftung ist nicht garantiert. Insgesamt erhöht tiefe Lage das Risiko durch höhere MMH-Gehalte; 10-minütiges Kochen reduziert die Toxizität zwar deutlich, erfordert aber strenge Küchenhygiene und Entsorgung des Kochwassers.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit informierter Zubereitung, besonders bei Funden aus tieferen Lagen bzw. ist auch diese Lorchel ein giftiger Pilz.
LG
Irmgard